nail'd - Test/Review
Das polnische Entwicklerteam Techland (Call of Juarez-Serie) präsentiert unter dem Label von Publisher Deep Silver den Arcade-Offroad-Racer nail'd.
Von Christoph Miklos am 05.12.2010 - 05:47 Uhr

Fakten

Plattformen

Xbox 360

PlayStation 3

PC

Publisher

Deep Silver

Entwickler

Techland

Release

26.11 2010

Genre

Rennspiel

Typ

Vollversion

Pegi

12+

Webseite

Media (44)

Konkurrenz für Pure

Das polnische Entwicklerteam Techland (Call of Juarez-Serie) präsentiert unter dem Label von Publisher Deep Silver den Arcade-Offroad-Racer nail'd. Wir haben das abgefahrene Rennspiel für euch getestet. Und bitte nicht aufs Anschnallen vergessen. Es folgt ein wilder Ritt.
Schnell, schneller, nail'd
Bereits nach den ersten Metern steht fest: Der neuste Techland-Titel ist nichts für Leute, die auf ein realistisches Gameplay aus sind. Mit einem Affenzahn brettern wir fast senkrechte Steilhänge hinauf oder hinab, umkurven unzählige Hindernisse wie Bäume, Felsen oder anrauschende Schnellzüge, springen über scheinbar bodenlose Abgründe und erfreuen uns an knalligen Explosionen, wenn mal wieder ein Kontrahent an einem startenden Heißluftballon zerschellt. nail'd spielt sich wie eine Mischung aus Disneys Offroad-Raser Pure und dem Stunt-Rennspiel Trackmania an und sorgt regelmäßig für spektakuläre Szenen. Da hüpfen wir über an Hubschrauber baumelnde Rampen, rasen auf achterbahnmäßig konstruierten Pipelines oder fliegen in gefühlt 300 Metern Höhe durch skurrile Felsformationen. Dabei bieten die organisch wirkenden Strecken jede Menge Alternativrouten, die zum wilden Ausprobieren einladen und von denen eine absurder ist als die andere. Die brachialen Rennen erfordern jedoch nicht nur einen starken Magen, sondern vor allem auch gute Reflexe und höchste Konzentration, denn nail'd ist rasend schnell und bestraft Fehler rigoros. Nur eine halbe Sekunde zu spät reagiert, schon kracht man gegen einen Felsen. Einsteiger dürfte das trotz des gut gemachten Tutorials und der drei Schwierigkeitsgrade schnell überfordern. Selbst fortgeschrittene Raser-Fans werden in nail'd eine gehörige Portion Frustresistenz mitbringen müssen, wenn sie aufs Siegertreppchen wollen.
Die Karriere
Dreh- und Angelpunkt im Rennspiel ist die Weltmeisterschaft. Diese ist in vier von Beginn an verfügbare Szenarien (Arizona, Griechenland, Yosemite-Nationalpark und die Anden) unterteilt und bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Meisterschaften. Das Problem dabei: Schon nach zwei Spielstunden wiederholen sich die jeweils nur vier Strecken, und auch die Modi gewinnen weder Umfangs- noch Innovationspreise. Neben klassischen Rennen gibt es lediglich Stunt-Herausforderungen, die im Grunde ebenfalls normale Rennen auf bereits bekannten Kursen sind, nur dass wir hier Punkte durch riskante Manöver sammeln müssen. Ebenfalls kritikwürdig: das magere Fahrzeugarsenal. Lediglich Quad und Bike stehen zur Verfügung - und die spielen sich zu allem Überfluss auch noch komplett ident. In der Werkstatt verändert ihr zwar bestimmte Merkmale wie das Lenken am Boden und in der Luft, die Boost-Kapazität und Derartiges, aber spielerische Auswirkungen hat eure Schrauberei höchstens, wenn ihr extrem unvorteilhafte Einstellungen vornehmt. Neben Karosserie, Auspuff, Motor, Lenker, Stoßdämpfer und den Rädern wechselt ihr auf Wunsch auch den Fahrer und bekleidet sie oder ihn so, wie ihr möchtet. Im Laufe des Spiels werden neue Kleidungsstücke genauso freigeschaltet wie stylische Lackierungen und frische Teile für euer Gefährt.

Platz für Verbesserungen

Steuerung und K.I.
Die Steuerung von nail'd könnte kaum simpler sein: Gas geben, bremsen, nach links oder rechts lenken. Eine fünfte Taste wird für den Boost benötigt. Diesen ladet ihr durch spezielle Aktionen (Gegner vom Platz zu schubsen, möglichst perfekte Landungen hinlegen, Wheelies vollführen) auf oder ihr passiert einfach auf den Strecken verteilte Feuertore und -ringe. Ähnlich wie in Need for Speed: Hot Pursuit wurde die KI in ein Skriptkorsett gezwängt. Die Konkurrenten lassen sich nicht abhängen, ganz egal wie gut man fährt. Das sorgt zwar einerseits für Dramatik bis zur allerletzten Sekunde, andererseits kommt beim kleinsten Fehler aber auch schnell Frust auf.
Technik
Der hauseigene Grafikmotor von Techland zaubert wahnwitzige Strecken, flüssige Animationen und schicke Effekte (HDR, Wasser) auf den Monitor. Darüber hinaus weiß die hohe Weitsicht zu gefallen. Schade nur, dass die Qualität der Texturen irgendwo auf dem Stand von 2008 stehen geblieben ist. Zwischen lizenzierten Liedern von Slipknot, Queens of the Stone Age, Backyard Babies und weiteren bekannten Interpreten wartet die nail'd-Song-Liste mit fünf exklusiven Tracks auf. Die wurden nicht von irgendjemandem beigesteuert, sondern von einer Metal-Allstar-Band um Wayne Static (Static-X) und Raymond Herrera (Fear Factory). Auch die realistischen Motoren- und Naturgeräusche können sich hören lassen.
Multiplayer
Online tretet ihr gegen bis zu elf Mitspieler an. Offline vermissten wir schmerzlich einen Modus im geteilten Bildschirm. Ebenso hätten wir uns Selbstverständlichkeiten wie einen Rückspiegel und verschiedene Kameraperspektiven gewünscht.
Unser Testvideo zu nail'd

Fazit und Wertung

Christoph meint: Ein Muss für Adrenalin-Junkies!

nail'd ist ein unterhaltsamer Offroad-Racer geworden. Ein rasantes Gameplay, coole Sprünge und ein abgefahrenes Streckendesign zeichnen das Rennspiel aus dem Hause Deep Silver aus. Nicht ganz so überzeugend: das „Feintuning“ (KI, maue Texturen) und die geringe Abwechslung. Trotz dieser Kritikpunkte eignet sich nail'd bestens als Raserspaß für Zwischendurch.

80%
Grafik
8
Sound
9
Bedienung
8
Spielspaß
7
Atmosphäre
7
Multiplayer
7
Preis/Umfang
7
Richtig gut
  • cooles Streckendesign
  • schöne Landschaften und Objekte
  • Soundtrack
  • Motorengeräusche
  • Geschwindigkeitsgefühl
  • Upgrades
  • solider Multiplayer
  • läuft auch auf älteren PCs flüssig
Verbesserungswürdig
  • Qualität der Texturen
  • Fahrverhalten fast schon zu arcadelastig
  • stark schwankende KI
  • kein Tricksystem
  • wenig Abwechslung
  • nur eine Kameraperspektive
  • nicht nachvollziehbare Crashs
Anforderungen
• Sony PlayStation 3 Konsole
• Microsoft Xbox 360 Konsole

• PC (Minimum):
-Prozessor: Intel Core 2 E4300 oder AMD Athlon 64 X2 4400+
-Arbeitsspeicher: 1 GB (XP); 2 GB (Vista/7)
-Grafikkarte: NVIDIA GeForce 7300 GS oder ATI Radeon X1600
-Festplatte: 2,1 GB
-Betriebssystem: Windows XP/Vista/7
-Sound: DirectX 9.0c-fähige Soundkarte
-Sonstiges: Maus, Tastatur und DVD-Laufwerk

• PC (Empfohlen):
-Prozessor: Intel Core 2 E7400 oder AMD Phenom X3 8850
-Arbeitsspeicher: 2 GB (XP); 2 GB (Vista/7)
-Grafikkarte: NVIDIA GeForce 8800 GTX oder ATI Radeon 5570
-Optional: Xbox 360 Gamepad
Getestet für
• PC (Ultraforce X6 1090T)
• Sony PlayStation 3
Christoph Miklos ist nicht nur der „Papa“ von Game-/Hardwarezoom, sondern seit 1998 Technik- und Spiele-Journalist. In seiner Freizeit liest er DC-Comics (BATMAN!), spielt leidenschaftlich gerne World of Warcraft und schaut gerne Star Trek Serien.

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